AUDIO - PSYCHO - PHONOLOGIE (A.P.P.) - 3 Tore

Der französische Hals-Nasen-Ohren-Arzt Professor Dr. Alfred A. Tomatis hat die Wechselwirkungen zwischen Hören, Psyche, Körper und Stimme erforscht. Er hat einen neuen Wissenschaftszweig begründet, die Audio-Psycho-Phonologie. Er formulierte wichtige Erkenntnisse:

Das Ohr als Tor zur Welt

Der Mensch hört bereits drei Monate vor seiner Geburt. Schon zu dieser Zeit ist das Ohr voll ausgebildet und der Hörnerv funktionsfähig. Besonders wichtig für das Kind im Mutterleib ist, neben dem Herzschlag und Atemrhythmus, die Stimme der Mutter. Der Fetus nimmt genau ihre Melodie, ihren Rhythmus, ihre Stimmung wahr und reagiert darauf. Zum ersten Mal entscheidet sich:
Will ich hören? Kann ich vertrauen? Oder muss ich mich schützen?

Gelingt diese erste Kommunikation, so wird das Ohr bereits vor der Geburt ein Tor zur Welt.

Das Ohr als Tor zum Körper

Im Innenohr sind auf engstem Raum zwei Sinnessysteme untrennbar miteinander verbunden: Erstens die Hörschnecke, die die Aufgabe hat, Schallwellen aufzunehmen und als energetische Impulse weiterzuleiten. Zweitens im gleichen Knochen eingelagert das Gleichgewichtsorgan. Dieses ist an der Steuerung aller Skelettmuskeln des Körpers beteiligt. Es ist mitverantwortlich für die Körperhaltung, das Körperbild und die Orientierung im Raum, die Fein- und Grobmotorik.

Vor allem das Hören rhythmisch betonter, tiefer Frequenzen löst eine Mitreaktion im Gleichgewichtssystem und im Kleinhirn aus.

Über das Ohr, über Musik können wir also auch die Körpermotorik beeinflussen.

Das Ohr als Tor zum Bewusstsein

Obertonreiche Musik hat eine die Bewusstseinswachheit stimulierende Wirkung. Wer einmal in einem Gongkonzert war, weiß darum.

Wenn Musik zur Stille hin
sich öffnet, dann können Türen zum Un- und Überbewussten aufgehen. Ein
tieferes Verständnis des eigenen Menschseins wird zugänglich.

SYSTEMISCHE HÖRTHERAPIE nach den Grundlagen von Dr. A. Tomatis

Ein ausführliches Vorgespräch und ein auf die Methode zugeschnittener Hörtest sind die Grundlagen einer Behandlung.

Bei der Hörtherapie werden im Prinzip die wichtigen Entwicklungsschritte der Hörwahrnehmung, und damit auch der psychischen Entwicklung, nachvollzogen. Das Ohr des Fetus im Mutterleib ist ein »Wasser-Ohr«. Es nimmt die Töne durch das Fruchtwasser, über die Wirbelsäule und das Becken der Mutter und den eigenen Knochen gefiltert wahr, mit einer Bevorzugung der hohen Frequenzen. Erst nach der Geburt vollzieht sich die Umwandlung zum »Luft-Ohr«, mit der Luft als Übertragungsmedium.

In den ersten Therapiephasen hört man über Spezialkopfhörer nach einem individuellen Programm elektronisch veränderte Musik von Mozart und dann eine Kassettenaufnahme der Stimme der eigenen Mutter, so wie man sie im Mutterleib wahrgenommen hat. Kinder und Erwachsene können währenddessen spielen, kreativ gestalten, träumen, schlafen. Nach einer »akustischen Geburt« folgen aktive Behandlungsabschnitte. Man liest, summt oder singt in ein Mikrofon und hört seine eigene Stimme auf eine elektronisch korrigierte, »ideale« Art und Weise.

Der starke »Input« des gefilterten Hörens drängt nach einem Ausdruck: Viele fühlen sich zum Malen angeregt. Bei anderen intensiviert sich Traumerinnerung oder Körperwahrnehmung. Erinnerungen aus früheren Lebensabschnitten sind zugänglicher und das assoziative Denken ist erleichtert. Ein psychischer Entwicklungsprozess wird ausgelöst und in therapeutischen Gesprächen begleitet Die Behandlungsergebnisse werden zudem durch regelmäßige Kontrollhörtests überprüft.

Es war dem Menschen vorbehalten, mit Hilfe hörbarer Zeichen sein Menschsein auszudrücken.
Ja, mit Hilfe des Hörens wesentliche Aspekte menschlichen Daseins auszubilden, unser Dasein human auszugestalten: ohne Hören keine Musik, ohne Hören keine Lautsprache….
Sprechen ist »Hoffnung, gehört zu werden« So gesehen heißt Hören Teilnahme am geistigen Sein des Nächsten, Kommunikation mit dem Anderen und damit Ausgestaltung menschlichen Daseins.

Hans-Peter Zenner, Professor der HNO-Heilkunde